Königsdisziplin Kommunikation: das Informationsdefizit

Der Countdown Läuft„Der Countdown läuft. Das wird was.“ Welche Botschaft soll das Bild vermitteln? Hat es etwas mit dem Buch auf dem Bild zu tun oder mit den Buchstaben? Steht Countdown für eine Zeit die abläuft und wenn ja wann? Was ist mit „Das wird was.“ gemeint? Was soll was werden? Was ist die Botschaft? Viele Fragen zu einem einzigen Bild. Tatsächlich mangelt es an dieser Stelle an Informationen. Es besteht ein Informationsdefizit. Informationsdefizite sind manchmal Fluch und Segen zu gleich. Ich möchte Ihnen heute zeigen, wie ein Informationsdefizit gut genutzt werden kann und Situationen, in denen Sie es besser auflösen sollten.

Informationsdefizit in der Kommunikation, was ist das eigentlich?

Ein Informationsdefizit in der Kommunikation beschreibt einen Zustand, in dem uns Informationen fehlen, um die eigentliche Botschaft verarbeiten zu können. Es kann unsere Neugier wecken oder uns frustrieren. Je nach Situation.

Der gute Einsatz von Defiziten in der Kommunikation.

Sie kennen bestimmt die Situation zum Ende Ihrer Lieblingsserie, Sie sehen eine Szene in der irgendetwas passiert, doch Sie sehen nicht was. Sie sind neugierig und wollen am nächsten Tag wieder einschalten. Vielleicht sind Sie ein Fan von Sherlock Holmes. Seltsame Dingen gehen in seinem Kopf vor und er löst damit knifflige Rätsel. Wir fragen uns: „Wie macht er das?“ und „Was ist die Lösung?“. Die Spannung wird 90 Minuten oder länger aufrecht erhalten und wir bleiben dran, bis zum Schluss. Ich glaube Sie kennen viele weitere Beispiele. Und genau hier wird mit dem Informationsdefizit gearbeitet. Es dient dazu unsere Aufmerksamkeit zu bekommen und zu halten. Wenn das Informationsdefizit gut und sinnvoll eingesetzt wird, können Sie damit tolle Momente in der Kommunikation erzeugen. Momente, die für Sie als Sender und Ihren Zuhörern als Empfänger der Botschaft angenehm sind. Wie können Sie das ganz konkret nutzen? Hier drei Beispiele:

1. Sie halten eine Rede oder eine Präsentation und sagen: „Heute werde ich Ihnen das Geheimnis für gute Kommunikation verraten. Lassen Sie uns zu Beginn schauen, was Kommunikation überhaupt ist.“

Schon allein die Aussage „Geheimnis verraten“ weckt unsere Neugier und erhöht die Aufmerksamkeit. In dem Sie eine Ankündigung machen und nicht direkt darauf eingehen, haben Sie ein Informationsdefizit erzeugt. Wenn Sie nun Ihre Rede oder Ihre Präsentation clever weiterführen, haben Sie die volle Aufmerksamkeit Ihres Publikums. Natürlich müssen Sie am Ende das Geheimnis auch lüften.

2. Sie sind in einer Trainingssituation und zeigen welche Themenbausteine Sie in der kommenden Zeit gemeinsam mit Ihren Teilnehmern bearbeiten werden. Hier können Sie Spannung aufbauen in dem Sie zum Beispiel sagen: „Heute werden wir uns anschauen, was passiert wenn … . Das wird spannend. Es ist jedes Mal anders. Mal schauen wie es bei Ihnen wird.“

Es bietet sich an, zu Beginn eines Seminars die einzelnen Themen kurz anzureißen und einen Ausblick zu geben und die Lust auf das Seminar zu erhöhen. Seien Sie aber vorsichtig und übertreiben es nicht. Machen Sie es nicht so spannend, dass die Teilnehmer gefrustet sind oder sich Ihnen ausgeliefert fühlen.

Storytelling, gekonnter Einsatz von Informationsdefizit3. Erzählen Sie eine Geschichte. Geschichten haben immer etwas Prickelndes und bringen die Spannung schon mit. Storytelling oder das Geschichten erzählen gehören in der Kommunikation einfach dazu. Es kann eine Geschichte sein, wie Sie einen Berg bestiegen haben oder einen Marathon gelaufen sind. Spannende Elemente und die Botschaft am Ende sorgen dafür, dass die Zuhörer bei Ihnen sind. Probieren Sie es einfach aus. Wenn Sie dazu Inspiration benötigen, dann reicht manchmal der Griff ins Bücherregal oder eine Geschichte aus einem Kinderbuch. Schauen Sie sich den Aufbau der Geschichte an und lassen Sie sich inspirieren.

Der nicht gute Einsatz von Defiziten in der Kommunikation.

Informationsdefizite sind manchmal echt nervig? Warum? Weil wir es als Mensch einfach nicht mögen im Unklaren zu sein. Wir lieben die Klarheit und streben nach ihr. Hier kann Klara Klarheit eine Geschichte erzählen.

Vielleicht kennen Sie diese zwei Situationen.

1. Ein Kollege sagt: „Unser Chef hat mir verraten, wer unsere neue Mitarbeiterin wird. Ich musste ihm jedoch versprechen es nicht weiterzuerzählen.“ Da war es wieder das Defizit. Wir sind neugierig und bekommen die Information nicht. Benutzt der Kollege nun noch einen eitlen Ton und eine abwertende Körpersprache, dann ist unser Frust perfekt. Das ist unangenehm und zu gleich noch respektlos.

Frust durch Informationsdefizit

2. In Ihrem Unternehmen werden Veränderungen durchgeführt und der Veränderungsprozess ist in vollem Gange. Die Mitarbeiter haben vielleicht Befürchtungen oder wissen nicht wie es weitergeht. Manchmal werden dann keine oder nur sehr schwammige Aussagen von Führungskräften gemacht. Das perfekte Informationsdefizit, was den Veränderungsprozess nur schadet. Spielen Sie mit offenen Karten. Sorgen Sie für Klarheit und Transparenz. Sagen Sie den Mitarbeitern, wo der Veränderungsprozess gerade steht, was sich verändern oder nicht verändern wird. Nehmen Sie die Fragen und Befürchtungen der Mitarbeiter ernst. Oft steckt hinter dem Frust zur Veränderung die Botschaft: Gib mir Informationen und löse das Informationsdefizit auf.

Informationsdefizite in der Kommunikation haben somit auch eine negative Seite, die Sie auflösen sollten.

Sie wollen gut kommunizieren?

Kommunikation ist die Königsdisziplin zwischen uns Menschen. Sie wollen gut kommunizieren? Dann werden Sie sensibel, wenn es um Informationsdefizite geht. Setzen Sie es sorgsam und mit Bedacht ein oder lösen Sie es auf. Der Schlüssel in der guten Kommunikation liegt darin, sich in die jeweilige Situation einzufühlen und respektvoll miteinander umzugehen.

Nun habe ich Ihnen immer noch nicht verraten, welcher Countdown läuft. Stellen Sie sich nun eine Szene in Ihrer Lieblingsserie vor, das Bild wird eingefroren und es folgt der Schriftzug: „Fortsetzung folgt

Bleiben Sie mutig.

Ihr Falk Golinsky

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