Königsdisziplin Kommunikation: Sehe ich Dich, siehst Du mich.

auf dem FlughafenMein Flug hat etwas Verspätung und ich sitze im Wartebereich eines großen Flughafens. Ich nutze die Zeit, um etwas die Gedanken kreisen zu lassen. Schnell gewinnt jedoch ein Café in meiner Nähe meine Aufmerksamkeit. Nicht weil es dort wohlduftenden Kaffee gibt, es sind die Menschen, die mich interessieren. Jeder auf seine Art. Das wir zu jeder Zeit kommunizieren ist nicht neu. Jedoch was macht das mit uns und was nicht?

Wie ist unsere Wahrnehmung?

An der Bar steht ein Mann im dunklen Anzug, mit einer Krawatte und einem kleinen Rollkoffer. Ich schätze ihn auf ungefähr Anfang vierzig. Er hat sein Smartphone in der Hand. Das ist verbunden mit Kopfhörern, die in seinen Ohren stecken. Es ist zu einem typischen Bild auf Flughäfen geworden. Die nette junge Dame hinter der Bar möchte die Bestellung aufnehmen und blickt den Herrn freundlich an. Der Mann schaut nur ganz kurz hoch und gibt seine Bestellung auf. Seine Mimik ist leer, als wäre er überhaupt nicht da. Sein Blick taucht wieder ab zu seinem Smartphone. Das wiederholt sich als er seinen Kaffee bekommt und bezahlt. Er geht los ohne eine Reaktion. Die junge Dame hinter der Bar setzt wieder ihr Lächeln auf und begrüßt den nächsten Kunden. Es ist eher ein Schauspiel, als eine echte Kommunikation. Es wirkt so, als ob sich beide am Ende überhaupt nicht wahrgenommen haben.

Das Café ist nett eingerichtet mit mehreren Sitzgruppen und Tischen. Es ist eine erstaunlich gemütliche Atmosphäre und das mitten auf einem Großstadtflughafen. An einem Tisch sitzen eine Frau und ein Mann. Sie scheinen gemeinsam unterwegs zu sein. Doch nach Kommunikation sieht das nicht aus. Sie tippt auf ihrem Tablet herum und er auf seinem Smartphone. Die Gesichter sehen eher genervt aus. Mir fällt auf, dass sie sich überhaupt nicht wahrnehmen. In dem Moment denke ich mir: Sind wir den alle so abgestumpft, dass wir die Menschen um uns herum nicht mehr wahrnehmen?

Menschen am Tablet und Smartphone

Ich fasse mir ein Herz und gehe zu den Beiden rüber. Ich spreche sie an und frage einfach nach der Toilette. Beide schrecken kurz auf und erklären mir den Weg. Ich bedanke mich freundlich und gehe wieder auf meinen Platz. Erstaunlicherweise haben nun beide ihre digitale Welt beiseitegelegt und unterhalten sich. Es scheint so, als ob sie meine Störung gebraucht haben. Jetzt sind es echte Menschen mit erfüllten Gesichtern. Sie sehen sich.

Meschen kommunizieren

Was macht das mit uns?

Was macht das nun mit uns, wenn wir andere wahrnehmen oder eben nicht? Es gibt viele der oben beschriebenen Situationen. Sei es beim Bäcker, im Hotel beim Frühstück, an der Kasse im Supermarkt, im Flugzeug oder auf dem Gang im Unternehmen. Immer wenn wir Menschen begegnen, ergeben sich Gelegenheiten zu kommunizieren. Stellen Sie sich vor, Sie sind im Büro und gehen über den Gang. Ihnen kommt ein Kollege entgegen. Sie grüßen ihn, er grüßt Sie nicht. Wie fühlt sich das an? Er hat Sie nicht wahrgenommen. Oft empfinden wir solche Situationen als respektlos. Wir wollen wahrgenommen und gesehen werden. Und wenn es nur für einen kurzen Moment ist. Jetzt stellen Sie sich vor, Sie gehen in Ihr Lieblingsrestaurant und wollen bestellen. Die Bedienung ignoriert Sie. Wie fühlt sich das an? Nicht gut. Jetzt stellen Sie sich die selbe Situation noch einmal vor. Nur mit dem Unterschied, dass die Bedienung zu Ihnen Blickkontakt aufnimmt und signalisiert: Ich habe Dich gesehen und kommen gleich zu Dir. Wie fühlt sich das nun an? Deutlich besser, oder? Es sind die kleinen Momente der Kommunikation, die den Unterschied machen. Das macht was mit uns, etwas Positives.

Schenken Sie Aufmerksamkeit.

Wenn Sie sich nun ertappt fühlen dem Smartphone mehr Aufmerksamkeit zu schenken, als der netten Dame hinter Bar, dann gönnen Sie sich einen positiven Moment der Kommunikation. Stecken Sie Ihr Smartphone für fünf Minuten in die Tasche und schenken einem anderen Menschen Ihre Aufmerksamkeit. Wechseln Sie ein paar nette Worte. Sie werden erstaunt sein, was das mit Ihrem Gegenüber und Ihnen macht. Wir Menschen spiegeln uns. Zeige ich Interesse an meinem Gegenüber, dann ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass es umgekehrt genauso ist. Sehe ich Dich, dann siehst Du mich. Probieren Sie es aus. Schenken Sie Aufmerksamkeit. Und wenn es nicht immer klappt, dann geben Sie den anderen Menschen eine Chance, selbst hinter das Geheimnis zu kommen.

Bleiben Sie mutig.

Ihr Falk Golinsky

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